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Von Anderen lernen: Forest Hills Cemetery
Die USA gelten in Deutschland nicht gerade als Vorbild kultureller Sensibilität. Aber hier liegt ein Friedhof, der das Beste aus historischer und moderner Trauerkultur vereint: Forest Hills Cemetery in Boston.
Der 1848 gegründete Parkfriedhof erstreckt sich über einen Quadratkilometer. Rasenflächen, geschwungene Wege, Anhöhen, alter Baumbestand und ein See markieren die Landschaft. Schlichte viktorianische Steine wechseln sich mit Mausoleen, Reliefs und Standbildern ab.
Darunter echte Preziosen wie Death and the Sculptor von Daniel Chester French. Es erinnert an die Bildhauer Martin und Joseph Milmore. Die Skulptur zeigt den tragischen Moment, in dem Martin mitten in der Arbeit von einem sanften Todesengel gestoppt wird. Er war erst 39 Jahre alt.
Auf Forest Hills sind viele große Persönlichkeiten bestattet, wie
• William Lloyd Garrison, Vorkämpfer für die Abschaffung der Sklaverei
• Lucy Stone, Mitgründerin der National American Woman Suffrage Association
• Anne Sexton, Autorin und Pulitzerpreisträgerin
• E. E. Cummings, Lyriker
• Eugene O'Neill, Dramatiker
Moderne Kunst ...
Forest Hills ist mehr als ein bewunderswert gepflegter Friedhof. Am Lake Hibiscus trifft der Besucher auf den zeitgenössischen Skulpturenpfad. Hier steht George Sherwoods Flock of Birds. Die beweglichen Stahlblätter drehen sich leuchtend im Wind, als ob eine Vogelschar in den Himmel zieht. Das Kunstwerk gliedert sich organisch in die Landschaft. Wie alle anderen modernen Werke: Mitch Ryersons erstaunlich gemütliche Poetry Chairs, die zum Verweilen unter den Bäumen einladen, oder die Nightshirts von Leslie Wilcox, die sich wie viktorianische Nachthemden um Bäume schmiegen.
Der Forest Hills Educational Trust hatte seit seiner Gründung 1991 diese und viele andere gute Ideen. Er betreibt Fundraising für Bildungsprogramme, die Pflege des historischen Bestands, Kunstaktionen und Veranstaltungen. Der Trust stellt den Besuchern kostenlose Karten und Leporellos für Rundgänge zur Verfügung. Die gibt es, wie das eigens herausgegebene Buch Garden of Memories. A Guide to Histroic Forest Hills direkt am Haupteingang.
... und ein großes Angebot
Als aktiver Friedhof hat Forest Hills ein vielfältiges Angebot, das wir uns in Deutschland oft wünschen. Einzel- und Familiengräber natürlich, auch Mausoleen. Man kann aber auch
• eine Memorial Bench stiften
• einen „Gedenkbaum“ pflanzen lassen
• ein historisches Grab adoptieren
• Urnen im überdachten oder outdoor Kolumbarium bestatten
• die Asche des Verstorbenen in einem Garten verstreuen lassen
• ihm ein Fenster in einer der Kapellen widmen
• dem Tree of Remembrance ein bronzenes Blatt mit dem Namen des Toten hinzuzufügen
Mir ist klar, dass uns in Deutschland oft das Bestattungsrecht und Geldmangel im Wege stehen.
Wir sollten dennoch nicht aufhören, über Trauer- und Bestattungsformen nachzudenken.
Text und Bilder © Susanne Franke | www.foresthillscemetery.com



