Den Toten einen Platz am Tisch frei halten
Ich kenne jene sonderbaren Familien,
welche an ihrem Tisch einem Toten den Platz freihalten.
Sie leugnen das Endgültige.
Aber nie schien mir dieser Trost ein Trost zu sein.
Tote muss man zu Toten machen.
Dann wird ihnen, in der Rolle des Totseins,
eine andere Form des Daseins zuteil.
Jene Familien aber verzögern ihre Wiederkehr.
Sie machen ewig Abwesende aus ihnen,
Tischgenossen, die zu spät dran sind für die Ewigkeit.
Sie vertauschen die Trauer für ein leeres Warten.
Diese Häuser schienen mir in hoffnungsloses Unbehagen
getaucht, das ganz anders wirkt als der Kummer.
Um den Flieger Guillomet, den letzten Freund,
den ich verlor und der im Dienste der Flugpost umkam,
mein Gott, da hab ich die Trauer auf mich genommen
Guillomet wird sich nie mehr verändern.
Er wird nie mehr da, aber auch nie mehr fort sein.
Ich habe sein Gedeck von meinem Tisch fortgeräumt,
diese überflüssige Schlinge, ihn zu fangen,
und habe aus ihm einen richtigen toten Freund gemacht.
(Antoine de Saint-Exupéry)
