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Was ist Trauer?

(c) Dennis Brandt



"Der Tod ordnet die Welt neu,
scheinbar hat sich nichts verändert,
und doch ist die Welt für uns ganz anders geworden."


(Antoine de Saint-Exupéry)

Trauer und Verlust - Loslassen und verabschieden.
Ein seelischer Rückzug. Trauer dient der Bewältigung seelischen Schmerzes.

Überwunden wird Trauer, indem sie bewusst gemacht wird.

Hierfür haben jahrhundertealte Trauergebräuche und Rituale durch die Kulturgeschichte hindurch eine wichtige Rolle gespielt. Die Rituale sind stabilisierend und sinngebend. Durch Erinnerung und darin symbolisch wiederholtes Zurückholen und erneutes Weggeben des Betrauerten wird ein Sich-Einlassen auf die Extremsituation des Verlustes sowie ein allmähliches Akzeptieren und Loslösen möglich.

(c) Tobias Trunz

Trauer ist so individuell wie jeder einzelne Mensch.

Jeder benötigt seinen eigenen Trauerprozess und sein ganz eigenes Tempo. Das Enthüllen der eigenen Gefühle über den Verlust gegenüber Freunden, Familie oder professionellen Helfern ist keine notwendige Voraussetzung für die eigene Trauerarbeit, man kann sich mit seinen Gefühlen auch alleine auseinandersetzen. Manchmal gelingt die Auseinandersetzung mit der Trauer aber nur über das Gespräch.

 

Indem man mit Anderen redet, klärt man für sich die Situation und verarbeitet seine Trauer. Freunde, Nachbarn und Kollegen - jeder kann dazu beitragen, indem er einer trauernden Person nicht aus Scheu den Kontakt verweigert. Dabei geht es nicht darum, dass Andere einen von der Trauer befreien, sondern dass man dabei unterstützt wird, den erlebten Verlust sowie die damit verbundene Trauer als einen Bestandteil des Lebens anzunehmen und zu integrieren - um nach dem vollzogenen Trauerprozess gestärkt und Lebensbejahend nach vorne leben zu können.

Der Trauerprozess ist kein passiver Vorgang, bei dem etwas mit einem geschieht,
vielmehr muss der Trauernde aktiv werden.


Eine der bekanntesten Theorien rund um den Trauerprozess stammt von Verena Kast (basierend auf John Bowlby und Collin Murray Parkes). Sie lehnt sich stark an das Modell der Sterbephasen von Kübler-Ross an und unterscheidet vier Phasen:

Nicht-Wahrhaben-Wollen

Man befindet sich meist in einer Art Schockzustand, und will nicht wahrhaben, dass ein Mensch verstorben ist und der Verlust wird verleugnet. Man fühlt sich zumeist empfindungslos und ist oft starr vor Entsetzen.

(c) Paul-Georg Meister

Aufbrechende Emotionen

Es werden durcheinander Trauer, Wut, Freude, Zorn, Angstgefühle und Ruhelosigkeit erlebt, die oft auch mit Schlafstörungen verbunden sind. Die Aufmerksamkeit im Kontakt mit Anderen und in Bezug auf die notwendigen alltäglichen Aufgaben fällt schwer.

Sinnleere oder Zukunftsangst sowie Hadern mit dem Schicksal dominieren die Gedanken. Eventuell setzt die Suche nach einem oder mehreren „Schuldigen“ ein (Ärzte, Pflegepersonal, etc). Der konkrete Verlauf dieser Phase hängt stark davon ab, wie die Beziehung zwischen den Hinterbliebenen und dem Verlorenen war, ob zum Beispiel Probleme noch besprochen werden konnten oder ob viel offengeblieben ist. Das Erleben und Zulassen der Gefühle hilft einem dabei, nicht in Depressionen zu versinken. In unserer Gesellschaft hat Selbstbeherrschung einen hohen Wert und gerne wird Trauer ganz verdrängt. Somit bestehen oft große Schwierigkeiten, diese Phase zu bewältigen. Aber nur indem die Emotionen auch tatsächlich erlebt und zugelassen werden, kann die nächste Trauerphase erreicht werden.

(c) Katja Irmschler

Suchen, finden, sich trennen

In der dritten Trauerphase wird der Verlorene unbewusst oder bewusst „gesucht“, meistens dort, wo er im gemeinsamen Leben anzutreffen war (in Zimmern, Landschaften, auf Fotos, aber auch in Träumen oder Phantasien). Die Konfrontation mit der Realität bewirkt, dass man immer wieder lernen muss, dass sich die Verbindung drastisch verändert hat.

Der Verlorene wird bestenfalls zu einem „inneren Begleiter“, mit dem man durch inneren Dialog eine Beziehung entwickeln kann. Im schlechteren Fall lebt man eine Art Pseudoleben mit dem Verlorenen, nichts darf sich ändern, man entfremdet sich dem Leben und den Lebenden. Wenn der Verlorene aber zu einer inneren Person wird, die sich weiterentwickeln und verändern kann, dann wird die nächste Phase der Trauerarbeit erreicht. Eventuell können während des Suchens, des Findens und des Sich-Trennens auch noch ungelöste Probleme mit der verlorenen Person aufgearbeitet werden.

(c) Marco Barnebeck

Neuer Selbst- und Weltbezug

Das Hier und Jetzt wahrnehmen und den Blick auf die Zukunft richten.

In der vierten Phase ist der Verlust soweit akzeptiert, dass der verlorene Mensch zu einer inneren Figur geworden ist. Neue Beziehungen, neue Rollen, neue Verhaltensmöglichkeiten, neue Lebensstile können möglich werden. Dass jede Beziehung vergänglich ist, dass alles Einlassen auf das Leben an den Tod grenzt, wird als Erfahrung integrierbar.

Idealerweise kann man sich dann trotz dieses Wissens auf neue Bindungen einlassen, weil man weiß, dass Verluste zu ertragen zwar schwer, aber möglich ist und auch neues Leben in sich birgt. Bei erfolgreicher Trauerbewältigung kommt es zu einem neuen seelischen Gleichgewicht. Trauerprozesse und Trauerphasen durchlaufen verschiedene Stufen , die sich allerdings permanent durchdringen und verändern und nicht wie Stufen beschreitbar sind. Manchmal werden die genannten Phasen nicht oder nur kaum merklich durchlaufen.

Verluste können nur akzeptiert werden wenn sie betrauert worden sind.

 

Textauszüge, Quelle Wikipedia, Bilder pixelio.de

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